Montag, 15. September 2014

Opfer und ihre Entsorgung



Wenn ich in der freien Natur Opfergaben darbringe, sind sie oft schon am nächsten Tag verschwunden. Doch braucht mich auch ihr Liegenbleiben nicht zu bekümmern, da Mutter Natur sich den organischen Substanzen annimmt und sie zu ihrem Nutzen wandelt. In geschlossenen Räumen verschwinden dargereichte Opfergaben in der Regel nicht über Nacht. Wie geht man damit um?
Ein Spaziergang in den Wald oder zum garteneigenen Komposthaufen sind Möglichkeiten die materiellen Überreste des göttlichen Festessens weiter zu schenken. Der Mülleimer scheint mir zumindest für frische Speisen eine dekadente letzte Ruhestätte. Hier ziehe ich das hinduistische Konzept des Prasad vor: das feststoffliche Verbleibende wird nach dem Mahl der Götter von den Menschen als gesegnete Speise verzehrt.

Sonntag, 14. September 2014

Opfer und Dankbarkeit




Als Mitglied einer Überflussgesellschaft überkommen mich gelegentlich Wogen der Dankbarkeit. Das Opfer ist für mich ein Weg ihnen Ausdruck zu verleihen. Neben der Dankbarkeit für einen gesättigten Bauch, liebende Mitmenschen, ein schützendes Dach oder Zugang zu Wissen, ergeben sich auch konkretere Anlässe; wenn ich mich zum Beispiel von speziell glücklichen Umständen gesegnet sehe oder eine Bitte erhört wurde. Das Teilen meines Glücks durch Dankesopfergaben vervielfacht es.

Freitag, 12. September 2014

Sakraler Alltag




Es scheint mir immer schwieriger zwischen sakralen und profanen Aspekten meines Alltags zu unterscheiden. Natürlich gibt es Momente, die eindeutiger als sakral erkennbar sind, zum Beispiel wenn ich eine Opfergabe darbringe oder meinen Wissensdurst im religiösen Bereich stille. Jedoch erhalten nach und nach zuvor profane Beschäftigungen eine religiöse Bedeutung: Beim Gärtnern staune ich über das Mysterium des aus einem Samen spriessenden Pflänzchens, beim Basteln werde ich zum Kanal kosmischer Eingebungen und beim Tanzen hüpfen Götter und Geister mit mir.

Donnerstag, 11. September 2014

Horizonterweiterung



Ich erlebe Reisen als Horizonterweiterung, nicht nur in einem physikalischen, sondern auch in einem metaphysischen Sinn. Der Ausbruch aus dem Alltag ermöglicht eine neue Perspektive auf die Welt, aber auch auf das selbst, wo durch das Wegfallen alter Muster die eigenen blinden Winkel aufgedeckt werden. Reisen führen aus der Komfortzone heraus und fordern damit zum Überdenken bisheriger Selbstverständlichkeiten auf. Probleme können nicht länger in den erprobten Bahnen umgangen werden, so dass die fehlende Rückzugsmöglichkeit zur Veränderungsnotwendigkeit führt. Die neuen äusseren Einflüsse bewirken eine Neuordnung des Innenlebens.

Mittwoch, 11. Juni 2014

Reisen ohne Plan



In wenigen Tagen starte ich zu einer Reise, die drei Monate dauern soll. Die Liste der Destinationen ist lang, doch wo ich beginne und in welcher Reihenfolge ich sie besuche bleibt offen. Am Tag des Aufbruchs werde ich vermittels eines Dartpfeils und einer Europakarte die erste Etappe oder zumindest die Reiserichtung ermitteln und mich von dort an treiben lassen. Diese Art des Reisens lädt ein den Moment auszukosten, auf die Umgebung wie auch meine Wünsche einzugehen. Ich plane die Blumen am Wegrand zu entdecken und zu pflücken, sie säumen jeden Weg.

Dienstag, 10. Juni 2014

Von Altären




In meinem Zuhause stehen zurzeit sieben verschiedene Altäre, teils bestimmten Göttern, Geistern oder Konzepten gewidmet, teils von allgemeiner Natur. Als Fokuspunkte religiöser, wie auch alltäglicher Unterfangen leisten sie mir grosse Dienste. Über sie wird die Interaktion mit entsprechenden Entitäten wesentlich konkreter, so bringe ich auf ihnen zum Beispiel kleine Opfergaben dar.
Über das immer wieder neue Herrichten, die Veränderung der dekorativen Elemente, kann ich den Wandel in mir und um mich herum zum Ausdruck bringen. Dabei finden auch scheinbar weltliche Artefakte, wie Kinderspielzeug ihren Platz, sofern sie für mein Empfinden eine entsprechende Bedeutung  in sich tragen oder mit einer solchen versehen werden sollen. 

Mittwoch, 4. Juni 2014

Ethnizistische Exklusivität


In meinem Denken spielt Abstammung keine Rolle, doch es irritiert mich, dass ethnizistische Exklusivität indigenen Minoritäten zugestanden wird, während neuheidnischen Gruppen mit europäischer Ausrichtung beargwöhnt werden, sofern diese Wert auf eine spezifische Herkunft ihrer Mitglieder legen. Die kulturelle Selbstbestimmung umfasst das Recht einer Gruppe selbst bestimmen zu dürfen, wen sie in ihre Gruppe aufnimmt. Die Kriterien dieser Aufnahme mögen für Aussenstehende absurd wirken, das scheint mir kein angemessener Grund sie zu verurteilen.