Mittwoch, 30. November 2016
gefährliche Magie
Gerne wird von Praktizierenden auf die Gefährlichkeit von Magie verwiesen und auf all die zu treffenden Schutzmassnahmen um nicht von bösen Geistern in den Wahnsinn getrieben zu werden. Das trägt natürlich zur mysteriösen Aura bei und vielleicht auch zur Selbstwertsteigerung der Beschreiter solch gefährlicher Pfade. Mag sein, dass Menschen die auf's genau Hinhören und Hinsehen spezialisiert sind eher seltsame Geschehnisse erleben, allerdings glaube ich, dass die Interpretation dieser Geschehnisse massgeblich vom Paradigma abhängt.
Montag, 31. Oktober 2016
Samhain
Meine Heizung ist eingeschaltet, mein Teekessel läuft auf Hochtouren und wenn ich das Haus verlasse, trage ich meinen Wintermantel. Die Blätter wechseln ihre Farbe. Eben noch leuchteten die Linden golden, wenn die spärlicher werdenden Sonnenstrahlen sie trafen. Jetzt sind die meisten ihrer Blätter gefallen und bedecken die Erde für ihren Winterschlaf. Früh dämmert es, die dunkle Jahreszeit ist zurück. Samhain, die Schwelle zum Winter. Die ersten Nebeltage verwischten die Grenzen, nun zieht sich das Leben zurück. In der Wärme meines Zuhauses breche ich auf zu inneren Forschungsreisen.
Mittwoch, 28. September 2016
Labels
Ich bezeichne meine Religion in der Regel als Neuheidentum. Darüber hinaus bin ich jedoch auch Pantheistin, Asatru und OBOD-Bardin, um nur einige der Labels zu nennen, mit welchen ich mich identifiziere. Keines davon vermag meinen religiösen Weg umfassend zu beschreiben, doch sie beleuchten Aspekte meines Handeln und Denkens, vermitteln dem (informierten) Gegenüber einen groben Eindruck meines Vorwissens und einen Kontext zur Interpretation meiner Äusserungen. Einerseits kann ich meiner Umwelt durch Labels meinen religiösen Hintergrund näher bringen, andererseits eröffnet mir jedes neue Label ein Tor zu einer neuen Welt. Wenn man weiss wie das Gesuchte heisst, lässt es sich viel leichter finden.
Montag, 29. August 2016
Phantasie
Auf meinem Weg als Neuheidin begegnete ich der Idee, das Reich der Phantasie sei nicht weniger wirklich, denn die "reale Welt". Schliesslich kann auch die Wahrnehmung der "Realität" nur gefiltert durch unser Bewusstsein erfolgen. Phantasie, gedacht als Gegenstück zum analytisch-logischen Denken, scheint in neuheidnischen Kreisen oft eine zentrale Bedeutung zuzukommen: Als Weg zur tieferen religiösen Einsicht. Ich glaube, dass der Einfluss der Phantasie unterschätzt wird und ihre gesellschaftliche Wertschätzung nicht hoch genug ist, aber, natürlich ist eine dem Kontext angemessene Anwendung unerlässlich.
Dienstag, 31. Mai 2016
Besenschrank
Die meisten Menschen, denen ich im Alltag begegne, haben keine Ahnung von meiner Religion. Ist ja nicht so, als dass man sie mir ansähe. Ich verspüre weder das Bedürfnis den Leuten meine religiösen Präferenzen auf die Nase zu binden, noch würde ich das in jedem Kontext angemessen finden. Natürlich war es ein wichtiger Schritt für mich Familie und Freunden von meinem Weg zu erzählen, aber verständlicherweise teilen nicht alle meine Passion für das Thema Religion. Ich finde es wichtig, solche Grenzen zu respektieren. Ebenso wie meine eigenen Grenzen bei der Offenbahrung meines Innersten.
Donnerstag, 31. März 2016
Venus von Willendorf
Ich trage eine kleine Replik der Venus von Willendorf um den Hals. Aus meiner Sicht ein angemessenes Symbol für mein Neuheidentum in ihrer neuen, künstlichen Form die sich auf die graue Vorzeit bezieht. Wir wissen nicht welchem Zweck sie einst diente, welchen Sinn man ihr einst zuwies, doch trägt für mich diese Aura des Mysteriösen zu ihrer Potenz bei.
Dienstag, 23. Februar 2016
Jahreskreisfeste und Umwelt
Mein Erleben der Jahreszeiten die sich vor meiner Haustür abspielen, unterscheidet sich nicht wesentlich von den Beschreibungen, wie sie sich in neuheidnischen Texten zu den Jahreskreisfestern finden. In der Auseinandersetzung mit der englischsprachigen neuheidnischen Youtubegemeinschaft wurde mir klar, dass eine Übereinstimmung der Geschehnisse in der umgebenden Natur mit den dominanten Assoziationen der Jahreskreisfester für viele Regionen der Welt alles andere als selbstverständlich ist. Die folgenden Strategien im Umgang mit dieser Diskrepanz sind mir aufgefallen:
Neuheiden, die auf der südlichen Hemisphäre beheimatet sind, ist es üblich die Jahreskreisfester um ein halbes Jahr vorzuverlegen, so dass zum Beispiel zur Zeit der Wintersonnenwende im Norden, entsprechend der astronomischen Realität auf der Südhalbkugel Litha gefeiert wird. Unpraktischerweise bedeutet dieser Umstand für die südlichen Neuheiden, dass Fester wie Jul, Ostara und Samhain, welche ein populäres, kulturell verankertes Gegenstück haben, nicht mit diesen gesellschaftlichen Feiertagen zusammen fallen. Sich von der allgegenwärtigen Weihnachtsstimmung für die eigene Julfeier inspirieren zu lassen, scheint nicht nur unter Neuheiden mit Jahreszeitenvorstellungstechnisch herausfordernder Umwelt eine verbreitete Strategie zu sein. Gelegentlich findet eine Beschränkung auf die oben genannten drei Fester statt, in anderen Fällen scheinen den Neuheiden ohne übereinstimmendes Vegetationsgeschehen die vier Sonnenfester besonders relevant. Und für manche Neuheiden spielt das Konzept der Jahreskreisfester als Ganzes eine geringe Rolle.
Eine andere Strategie ist die Verinnerlichung der Assoziationen der Jahreskreisfester: An die Stelle der Frühlingsstimmung die durch Schneeglöckchen und Krokusse genährt wird, tritt die Konzentration auf psychische und lebensbezogene Vorgänge, also beispielsweise das Ende des winterlichen Rückzugs und "sähen" neuer Projekte.
Wenn die natürliche Umgebung nicht den von Büchern beschriebenen Prozessen entspricht, können die jahreskreisfestlichen Assoziationen natürlich auch an die Lebenswirklichkeit angepasst werden.
Neuheiden, die auf der südlichen Hemisphäre beheimatet sind, ist es üblich die Jahreskreisfester um ein halbes Jahr vorzuverlegen, so dass zum Beispiel zur Zeit der Wintersonnenwende im Norden, entsprechend der astronomischen Realität auf der Südhalbkugel Litha gefeiert wird. Unpraktischerweise bedeutet dieser Umstand für die südlichen Neuheiden, dass Fester wie Jul, Ostara und Samhain, welche ein populäres, kulturell verankertes Gegenstück haben, nicht mit diesen gesellschaftlichen Feiertagen zusammen fallen. Sich von der allgegenwärtigen Weihnachtsstimmung für die eigene Julfeier inspirieren zu lassen, scheint nicht nur unter Neuheiden mit Jahreszeitenvorstellungstechnisch herausfordernder Umwelt eine verbreitete Strategie zu sein. Gelegentlich findet eine Beschränkung auf die oben genannten drei Fester statt, in anderen Fällen scheinen den Neuheiden ohne übereinstimmendes Vegetationsgeschehen die vier Sonnenfester besonders relevant. Und für manche Neuheiden spielt das Konzept der Jahreskreisfester als Ganzes eine geringe Rolle.
Eine andere Strategie ist die Verinnerlichung der Assoziationen der Jahreskreisfester: An die Stelle der Frühlingsstimmung die durch Schneeglöckchen und Krokusse genährt wird, tritt die Konzentration auf psychische und lebensbezogene Vorgänge, also beispielsweise das Ende des winterlichen Rückzugs und "sähen" neuer Projekte.
Wenn die natürliche Umgebung nicht den von Büchern beschriebenen Prozessen entspricht, können die jahreskreisfestlichen Assoziationen natürlich auch an die Lebenswirklichkeit angepasst werden.
Montag, 1. Februar 2016
Bridie Puppe
Zu Imbolc bastle ich mir eine Bridie Puppe. In diesem Akt ehre ich meine Kreativität und verwandle alte Stoffstücke in ein irdisches Gefäss für die Göttin. Puppen können mehr sein als "nur" Spielzeug.
Samstag, 30. Januar 2016
Reisealtar
Wenn ich unterwegs bin, errichte ich gerne einen Reisealtar. Er unterstützt mich in der Aneignung des fremden Raums. Die gelegentliche Rückverbindung, das Erspüren der eigenen Mitte scheint mir angesichts der vielen neuen Eindrücke auf Reisen besonders wertvoll. Der Reisealtar dient mir dabei als Erinnerungsstütze und Fokuspunkt, aber auch als Weg das Erlebte zu verarbeiten, indem ich ihn durch unterwegs aufgelesene Opfergaben in Dialog mit meiner Umwelt treten lasse.
Dienstag, 29. Dezember 2015
Verwandelte Bücher
Aufgrund meiner Bibliophilie bringe ich es kaum über's Herz Bücher zu entsorgen. Da sie mir jedoch auch als Staubfänger im Regal unpassend erscheinen, hauche ich nicht mehr benutztem Schriftgut als Skizzenbücher neues Leben ein. Für meinen Geschmack haben Bücher als Grundlage verschiedene Vorteile: Die Blockade, welche leeres Papier in mir auslösen kann, fällt weg. Stattdessen trete ich bei meinem kreativen Schaffen in einen Dialog mit dem vorgefundenen Text, lasse mich von einzelnen Wörtern und Sätzen inspirieren oder erfreue mich am Einfluss des Layouts auf meine Bildkomposition.
Montag, 28. Dezember 2015
Authentizität und Verschleierung
Eklektische Neuheiden entscheiden sich für ihre Glaubensinhalte und Praktiken gemäss eines Empfindens innerer Resonanz. Diese Form der Selbst-Validierung hat ihre Tücken: Sie verschleiert die gesellschaftliche und geschichtliche Einbettung von scheinbar individuellen, frei gewählten Vorstellungen. Die gefühlterweise bestätigte Authentizität birgt die Gefahr der Unhinterfragbarkeit enthistorifizierter Ideen.
Donnerstag, 26. November 2015
Metanarrativ
Das eklektische Neuheidnentum stellt meiner Meinung nach den Verzicht auf ein übergeordnetes Einheitsprinzip dar. Was Loki gefällt, muss nicht notwendigerweise auch in Themis' Sinne sein. Die grossen Erzählungen wie die christliche Erlösungslehre oder der aufklärerische Fortschritt zur rationalen Gesellschaft fallen weg. Übrig bleiben partikuläre, inkommensurable Weltbilder von denen keines einen absoluten Wahrheitsanspruch stellen kann. Nicht die universale Wahrheit wird gesucht, sondern ein Sichtweise gewählt, die zu diesem Zeitpunkt für das Individuum passt.
Mittwoch, 25. November 2015
Fiktionale Gottheiten
Es gab eine Zeit da war ich begeisterte Papier-und-Stift-Rollenspielerin. In unserer Spielwelt gab es ein Pantheon fiktionaler Gottheiten deren Eigenschaften und erfundene Mythen mir wesentlich präsenter waren als diejenigen der historisch verehrten Götter. Entsprechend näher fühlte ich mich ihnen und sie waren es auch, die erstmals den Wunsch zur rituellen Interaktion mit derartigen Entitäten aufkeimen liessen.
Warum sollten traditionelle Überlieferungen - die womöglich von vielfältigen Interessen korrumpiert wurden - für eklektische Neuheiden von grösserer Relevanz sein als zeitgenössische Erzählungen oder Eigenkreationen?
Sicherlich erschweren oder verunmöglichen ideosynkratische Schöpfungen den Austausch mit Gleichgesinnten. Die Entitäten und ihre Mythen können eindimensionaler ausfallen, das Eintauchen in die vielschichtige Geschichte der Gottheit fällt weg. Doch scheint es mir selbstbetrügerisch die kulturelle Einbettung moderner Fiktion zu verleugnen; Auch die Erzählungen unserer Zeit sind nicht völlig neu, sondern haben unter Umständen weitreichende Wurzeln, die wir ergründen können. Eigenkreationen lassen womöglich tiefe Einblicke in die Psyche der Urheberin zu, von der Freude beim Spinnen der Mythen ganz abgesehen.
Verschiedene Sichtweisen der Beschaffenheit des Seienden lassen unterschiedliche Begründungen für die Wirkkraft "fiktionaler" Gottheiten zu:
Wenn die Götter ihren Einfluss auf die Welt der Menschen ihren Anhängern verdanken, scheint der Rückgriff auf populärkulturelle Erscheinungsformen naheliegend. Die Akteure zeitgenössischer Erzählungen sind in der Regel um einiges gegenwärtiger als die fast vergessenen Wesenheiten weit zurückliegender Epochen.
Wobei der Umstand weitestgehend fehlender Überlieferung Neuheiden nicht davon abhält für historisch verbürgte Gottheiten wie zum Beispiel Artio neue Attribute zu erfinden. Ähnlich die neuheidnische Praktik lokalen Gottheiten, deren Namen und Charakteristiken in Vergessenheit geraten sind, neues Leben einzuhauchen. Ein bekanntes Beispiel dafür wäre Nolava, die Göttin von Avalon in der Glastonbury Göttinnen Tradition. Zugrundeliegend sehe ich die Überlegung, dass (angenommenerweise) vorhandene Entitäten durch unsere Benennung und Schaffung eines Gesichtes ansprechbar werden. Warum sollte man sich dabei auf Götter des Landes beschränken?
Wenn die Götter als Teil unserer Psyche gesehen werden, scheint die eigenmächtige Schöpfung als Ausdruck unseres Innersten offensichtlich potent. Vergleichbar steht es um Sichtweisen, welche den Einfluss der Phantasie auf das Seiende als unterschätzt wahrnehmen oder die Erkennbarkeit der Wirklichkeit grundsätzlich verneinen.
Samstag, 31. Oktober 2015
"Naturreligion"
Meine Abneigung gegen die Bezeichnung des Neuheidentums als "Naturreligion" entspringt verschiedenen Überlegungsansätzen.
Zunächst scheint mir der Naturbegriff aus Philosophischer Perspektive grundlegend problematisch: Was ist Natur? Wogegen grenzen wir das damit Bezeichnete ab? Die Landschaft in unseren Breitengraden ist stark kulturell geformt, unberührte Natur gibt es hier nicht. Aber nicht nur die Natur ist kulturell geformt, sondern auch unsere Wahrnehmung: Wenn wir zum Beispiel von der Mondin und ihrer Verbindung zum Element Wasser oder dem Weiblichen sprechen, ist das nicht eine "natürliche" Sichtweise.
Während in vielen Strömungen des Neuheidentums der Bezug auf die Natur von grosser Wichtigkeit ist, gilt dies doch längst nicht für alle Traditionen. Meines Erachtens vernachlässigt die Kategorisierung als Naturreligion neuheidnische Ansätze die stärker rekonstruktionistisch, psychologisch oder urban ausgerichtet sind.
Unter dem Oberbegriff Naturreligion werden ausser dem westlichen Neuheidentum auch afrikanische Kulte und südamerikanischer Schamanismus verortet, was mir viel zu undifferenziert scheint, als dass die Kategorie von Nützlichkeit sein könnte. Darüber hinaus romantisiert die Bezeichnung in problematischer Weise; implizit wird unterstellt, dass diese religiösen Phänomene der Natur näher stünden oder gar natürlicher wären, was den Blick auf ihre kulturelle Komplexität verschleiert. Gerade für aussereuropäische Religionen scheint mir dieser Ausdruck leicht zur Projektionsfläche unserer Vorstellung von edlen Wilden zu werden.
Donnerstag, 29. Oktober 2015
Ahnen
Ahnen, ich ehre euch.
Ich ehre diejenigen, die vor mir auf diesem Weg gegangen sind.
Ahnen, ich danke euch,
für die Pfade, die ihr ins Dickicht der Zeit geschlagen habt.
Pfade auf denen auch ich heute gehe.
Ahnen, ich ehre euch.
Ich ehre diejenigen, die vor mir auf diesem Weg gegangen sind.
Ich ehre diejenigen, die deutliche Fussabdrücke hinterlassen haben.
Ich ehre diejenigen, deren Spuren vom Lauf der Zeit verwischt worden sind.
Ahnen, ich ehre euch.
Ich ehre die Feuerräuberinnen, die Fackelträger,
die Beschützerinnen der Herdfeuer,
ich ehre diejenige, die mit dem Feuer spielen,
ich ehre die Erleuchteten.
Ahnen, ich ehre euch.
ich gedenke der Seen von Tränen, die ihr geweint habt,
der Ströme von Blut, die ihr vergossen habt,
ich gedenke den Sturzbächen der Lust in euren Schössen,
und den Flüssen von süsser Milch, die euch nährte.
Ahnen, ich ehre euch.
Mutter Erde, ich ehre dich,
in deren Körper meine Ahnen ihre Pfade pflügten,
Pfade auf denen ich heute gehe,
bis auch mein Körper wieder zu Erde wird.
Ahnen, ich ehre euch.
Ich gedenke dem Wispern im Wind, der Stimmung in der Luft,
der Inspiration auf leisen Schwingen.
Ahnen, ich gedenke euch.
Möge mein Gebet für Verbindung sorgen.
Ich ehre diejenigen, die vor mir auf diesem Weg gegangen sind.
Ahnen, ich danke euch,
für die Pfade, die ihr ins Dickicht der Zeit geschlagen habt.
Pfade auf denen auch ich heute gehe.
Ahnen, ich ehre euch.
Ich ehre diejenigen, die vor mir auf diesem Weg gegangen sind.
Ich ehre diejenigen, die deutliche Fussabdrücke hinterlassen haben.
Ich ehre diejenigen, deren Spuren vom Lauf der Zeit verwischt worden sind.
Ahnen, ich ehre euch.
Ich ehre die Feuerräuberinnen, die Fackelträger,
die Beschützerinnen der Herdfeuer,
ich ehre diejenige, die mit dem Feuer spielen,
ich ehre die Erleuchteten.
Ahnen, ich ehre euch.
ich gedenke der Seen von Tränen, die ihr geweint habt,
der Ströme von Blut, die ihr vergossen habt,
ich gedenke den Sturzbächen der Lust in euren Schössen,
und den Flüssen von süsser Milch, die euch nährte.
Ahnen, ich ehre euch.
Mutter Erde, ich ehre dich,
in deren Körper meine Ahnen ihre Pfade pflügten,
Pfade auf denen ich heute gehe,
bis auch mein Körper wieder zu Erde wird.
Ahnen, ich ehre euch.
Ich gedenke dem Wispern im Wind, der Stimmung in der Luft,
der Inspiration auf leisen Schwingen.
Ahnen, ich gedenke euch.
Möge mein Gebet für Verbindung sorgen.
Dienstag, 1. September 2015
Zwischenzeit
So sehr ich den Sommer auch liebe, ich kann nicht umhin überall herbstliche Vorboten zu sehen. Durch Handarbeiten wie der obige Kranz versuche ich meiner Vorfreude Ausdruck zu verleihen.
Oft scheinen die Jahreskreisfeste einen derat starken Sog auszuüben, dass die Zeit zwischen ihnen, die Zeit des Wandels, fast übersehen wird. Der konzeptuelle Rahmen der Jahreskreisfeste verlockt die Phänomene einem 'entweder-oder' zuzuordnen. Die Liminalität der Zwischenzeit, das 'weder-noch' birgt jedoch - meiner Meinung nach - ihre eigene Magie und lohnt der Würdigung.
Labels:
Feiertage,
Handarbeit,
Überlegungen
Montag, 31. August 2015
Von Wald und Raum
In Japan nennt man es Waldbaden und genau so fühlt es sich an, wenn ich aus der drückenden Hitze der Betonwüste ins kühle Grün eintauche. Seit ich die Wälder der Umgebung zu Erforschen began, bin ich regelrecht süchtig nach stundenlangen Spaziergängen durchs Gehölz.
Auf meinen Spaziergängen erschloss ich nicht nur physikalisch neue Räume, sondern vermochte auch Weisse Flecken auf der geistigen Landkarte zu skizzieren. Die Grossräumliche Orientierung gehört nicht zu den Gaben, die mir zufliegen. Meine Ausflüge befähigten mich aber - trotz planlosem Wandern - die Situiertheit im Raum bewusster wahrzunehmen. Auf einer praktisch-konkreten Ebene von "wie komme ich von hier aus wieder nachhause?" über eine allegemeinere räumliche Einordnung hinsichtlich bestimmter Bezugspunkte wie Hügel, Seen und Städte bis hin zum Nachdenken über die abstrakteren Bedeutungsebenen des Raumes. Beispielsweise färben und fördern animistische Tendenzen meine Beziehung zur Umgebung und informieren ihrerseits die Verortung im rituellen Kontext. Aber auch stärker kulturell geprägte Zuschreibungen wirken auf mein Erleben des Raumes ein: der Wald hat trotz seiner Domestizierung eine gewisse Aura der Andersheit inne. Meine Spaziergänge im Grünen fühlen sich wie ein Ausbruch aus der konsensuellen Realität an; Eine Reise in die Anderswelt.
Montag, 24. August 2015
Widersprüche als Chancen
Widersprüche kommen vor. Manchmal scheinen sie inhaltlicher Natur zu sein, manchmal in Bezug zu unserem Empfinden zu stehen. Immer sind sie eine Chance zu Lernen.
Für mich sind scheinbare Widersprüche Ausgangspunkte für die
genauere Erforschung. Sie drängen mich tiefer in die Materie (und meine Haltung zu ihr) einzutauchen. Durch die Reibung an Ihnen glaube ich
zu wachsen. Nicht alle Widersprüche sind leicht aufzulösen, manche vielleicht gar nicht. Ein Freund hat mir Mut gemacht die Spannung auszuhalten, sich nicht mit einer
schnellen Lösung zufrieden zu geben. Andererseits gibt es wohl auch eine Grenze des sinnvollen Hinterfragens.
Sonntag, 23. August 2015
Lokalisierte Götter
Ich glaube, dass die Götter an allen Orten antreffbar sein können. Andererseits haben Räume eine Wirkung auf uns, die durch unsere Zuschreibungen und Handlungen verändert werden kann. Beispielsweise nehme ich an, dass meine Opfer empfangen werden, selbst wenn ich sie an irgendeiner Strassenecke darbringe. Jedoch fällt es mir leichter die Nähe der Götter zu fühlen, wenn ich mich in der Natur aufhalte oder vor meinem Altar sitze.
Offensichtlich sind Menschen in der Lage mit Götter in Verbindung zu treten an Orten, die räumlich (und mitunter auch zeitlich) weit entfernt sind von den Gebieten in denen sie ursprünglich verehrt wurden. Gleichzeitig scheint es mir durchaus plausibel, dass Götter - obschon nicht ortsgebunden - gewissen Räumen besonders nahe stehen können und dort leichter zugänglich sind. Sei dies aufgrund unserer Zuschreibungen oder mysteriöser Kräfte.
Donnerstag, 13. August 2015
Geistiges Zerpflücken
Eine buddhistische Geschichte zur Illustration der Unsinnigkeit mancher Fragen erzählt davon, wie ein vom Pfeil Getroffener seine Heilung verhindert indem er sich im Nachdenken über Nebensächlichkeiten verliert wie dem Standpunkt des Schützen oder der Beschaffenheit des Bogens. Als kopflastige Person neige ich dazu mich in endlosen Erforschungsexpeditionen zu verirren und darob die praktische Umsetzung des Gelernten zu vernachlässigen. Insofern kann ich mich gut mit dem Verwundeten identifizieren. Wie es sich für eine Philosophin gehört, fallen mir zahlreiche Gegenargumente ein, vom Erkenntnisreichtum diskursiv-analytischen Denkens bis zur Kritik autoritärer Forderung blinden Glaubens.
Doch scheinen nicht alle Formen des Nachdenkens in allen Angelegenheiten gleichermassen angemessen:
Das überkritische Zerpflücken des Vorgefundenen kann destruktive Züge annehmen, während wir mit dem Prinzip der wohlwollenden Interpretation weiter kämen, wenn das Ziel im Verstehen Wollen liegt.
Nicht alles, das erfahrbar ist, ist auch kommunizierbar. Nicht jede Information kann sinnvoll durch analytische Untersuchung ergründet werden.
Manchmal geht Probieren über Studieren. So wie es nicht notwendig ist über elektrische Details von Mikrowellen Bescheid zu wissen um sie erfolgreich nutzen zu können, so ist nicht für jedes angestrebte Ziel das Verständnis aller Einzelheiten hilfreich oder gar notwendig.
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