Dienstag, 1. September 2015

Zwischenzeit




So sehr ich den Sommer auch liebe, ich kann nicht umhin überall herbstliche Vorboten zu sehen. Durch Handarbeiten wie der obige Kranz versuche ich meiner Vorfreude Ausdruck zu verleihen.
Oft scheinen die Jahreskreisfeste einen derat starken Sog auszuüben, dass die Zeit zwischen ihnen, die Zeit des Wandels, fast übersehen wird. Der konzeptuelle Rahmen der Jahreskreisfeste verlockt die Phänomene einem 'entweder-oder' zuzuordnen. Die Liminalität der Zwischenzeit, das 'weder-noch' birgt jedoch - meiner Meinung nach - ihre eigene Magie und lohnt der Würdigung.

Montag, 31. August 2015

Von Wald und Raum




In Japan nennt man es Waldbaden und genau so fühlt es sich an, wenn ich aus der drückenden Hitze der Betonwüste ins kühle Grün eintauche. Seit ich die Wälder der Umgebung zu Erforschen began, bin ich regelrecht süchtig nach stundenlangen Spaziergängen durchs Gehölz.
Auf meinen Spaziergängen erschloss ich nicht nur physikalisch neue Räume, sondern vermochte auch Weisse Flecken auf der geistigen Landkarte zu skizzieren. Die Grossräumliche Orientierung gehört nicht zu den Gaben, die mir zufliegen. Meine Ausflüge befähigten mich aber - trotz planlosem Wandern - die Situiertheit im Raum bewusster wahrzunehmen. Auf einer praktisch-konkreten Ebene von "wie komme ich von hier aus wieder nachhause?" über eine allegemeinere räumliche Einordnung hinsichtlich bestimmter Bezugspunkte wie Hügel, Seen und Städte bis hin zum Nachdenken über die abstrakteren Bedeutungsebenen des Raumes. Beispielsweise färben und fördern animistische Tendenzen meine Beziehung zur Umgebung und informieren ihrerseits die Verortung im rituellen Kontext. Aber auch stärker kulturell geprägte Zuschreibungen wirken auf mein Erleben des Raumes ein: der Wald hat trotz seiner Domestizierung eine gewisse Aura der Andersheit inne. Meine Spaziergänge im Grünen fühlen sich wie ein Ausbruch aus der konsensuellen Realität an; Eine Reise in die Anderswelt.

Montag, 24. August 2015

Widersprüche als Chancen



Widersprüche kommen vor. Manchmal scheinen sie inhaltlicher Natur zu sein, manchmal in Bezug zu unserem Empfinden zu stehen. Immer sind sie eine Chance zu Lernen.
Für mich sind scheinbare Widersprüche Ausgangspunkte für die genauere Erforschung. Sie drängen mich tiefer in die Materie (und meine Haltung zu ihr) einzutauchen. Durch die Reibung an Ihnen glaube ich zu wachsen. Nicht alle Widersprüche sind leicht aufzulösen, manche vielleicht gar nicht. Ein Freund hat mir Mut gemacht die Spannung auszuhalten, sich nicht mit einer schnellen Lösung zufrieden zu geben. Andererseits gibt es wohl auch eine Grenze des sinnvollen Hinterfragens.

Sonntag, 23. August 2015

Lokalisierte Götter



Ich glaube, dass die Götter an allen Orten antreffbar sein können. Andererseits haben Räume eine Wirkung auf uns, die durch unsere Zuschreibungen und Handlungen verändert werden kann. Beispielsweise nehme ich an, dass meine Opfer empfangen werden, selbst wenn ich sie an irgendeiner Strassenecke darbringe. Jedoch fällt es mir leichter die Nähe der Götter zu fühlen, wenn ich mich in der Natur aufhalte oder vor meinem Altar sitze.
Offensichtlich sind Menschen in der Lage mit Götter in Verbindung zu treten an Orten, die räumlich (und mitunter auch zeitlich) weit entfernt sind von den Gebieten in denen sie ursprünglich verehrt wurden. Gleichzeitig scheint es mir durchaus plausibel, dass Götter - obschon nicht ortsgebunden -  gewissen Räumen besonders nahe stehen können und dort leichter zugänglich sind. Sei dies aufgrund unserer Zuschreibungen oder mysteriöser Kräfte.

Donnerstag, 13. August 2015

Geistiges Zerpflücken


Eine buddhistische Geschichte zur Illustration der Unsinnigkeit mancher Fragen erzählt davon, wie ein vom Pfeil Getroffener seine Heilung verhindert indem er sich im Nachdenken über Nebensächlichkeiten verliert wie dem Standpunkt des Schützen oder der Beschaffenheit des Bogens. Als kopflastige Person neige ich dazu mich in endlosen Erforschungsexpeditionen zu verirren und darob die praktische Umsetzung des Gelernten zu vernachlässigen. Insofern kann ich mich gut mit dem Verwundeten identifizieren. Wie es sich für eine Philosophin gehört,  fallen mir zahlreiche Gegenargumente ein, vom Erkenntnisreichtum diskursiv-analytischen Denkens bis zur Kritik autoritärer Forderung blinden Glaubens.
Doch scheinen nicht alle Formen des Nachdenkens in allen Angelegenheiten gleichermassen angemessen:
Das überkritische Zerpflücken des Vorgefundenen kann destruktive Züge annehmen, während wir mit dem Prinzip der wohlwollenden Interpretation weiter kämen, wenn das Ziel im Verstehen Wollen liegt.
Nicht alles, das erfahrbar ist, ist auch kommunizierbar. Nicht jede Information kann sinnvoll durch analytische Untersuchung ergründet werden.
Manchmal geht Probieren über Studieren. So wie es nicht notwendig ist über elektrische Details von Mikrowellen Bescheid zu wissen um sie erfolgreich nutzen zu können, so ist nicht für jedes angestrebte Ziel das Verständnis aller Einzelheiten hilfreich oder gar notwendig.

Montag, 3. August 2015

Lammas



In der Schweiz feiere ich den ersten August nie alleine. Wenn auch die Motive meiner Mitmenschen sich nicht exakt mit den meinen decken mögen, so schätze ich doch das Festessen mit der erweiterten Familie und das anschliessende Feuerwerk sehr. In meinen Augen stellt es eine fulminate Würdigung des Höhepunkts des Sommers dar.




Freitag, 31. Juli 2015

Vergänglichkeit und Sinn


Quelle: http://www.smk.dk/en/explore-the-art/highlights/karel-dujardin-boy-blowing-soap-bubbles/





Das Bild von Karel Dujardin aus dem Jahr 1663 trägt den Titel Seifenblasen blasender Junge: Allegorie auf die Vergänglichkeit und Kürze des Lebens und ist mir bei meinem Besuch im SMK in Kopenhagen ins Auge gestochen.Vermutlich unterscheiden sich meine Assoziationen erheblich von jenen Dujarins und seiner Zeitgenossen, für welche der Homo Bulla eine Mahnung der Konzentration auf angenommene jenseitige Werte gewesen sein dürfte. Wie ich in Memento moriendum dargelegt habe, ist die Kürze des Lebens auch für mich ein grosser Motivator. Mein Ausgangspunkt ist dabei nicht ein vorgefundener oder zu entdeckender Sinn des Lebens, sondern die bewusste Sinnschöpfung aufgrund vorgefundener Sinnfreiheit. In Dujardins Allegorie sehe ich die von mir angestrebte spielerisch-schöpferische Herangehensweise verbildlicht. Mich berührt die unbefangene Fröhlichkeit des Seifenblasen blasenden Jungen, der sich die Wertschätzung flüchtiger Schönheit trotz dem Wissen um die Vergänglichkeit unserer Unternehmungen nicht nehmen lässt.